Vehicle-to-Grid,
Vehicle-to-Home
& Smart Charging
Integration neuer Flexibilitäten
in die Energiemärkte
7.–8. April 2027
in Aachen
Vehicle-to-Grid,
Vehicle-to-Home
& Smart Charging
Integration neuer Flexibilitäten
in die Energiemärkte
7.–8. April 2027
in Aachen
Zum Thema
Vehicle-to-Grid (V2G), Vehicle-to-Home (V2H), bidirektionales Laden, das Auto als mobiler Energiespeicher, Netzstabilisierung, Regelenergie, neue Netzdienstleistungen, ISO 15118
Für die Energiewende werden mehr elektrische Speicher benötigt – das ist heute Konsens. Der Wegfall von Momentanreserve durch rotierende Massen bei konventionellen Kraftwerken erfordert schnelle, flexible Alternativen. Eine gewaltige Reserve schlummert in den Fahrzeugbatterien der Elektroautos, die mit typischen Kapazitäten zwischen 40 und 100 kWh eine kollektive Speicherleistung darstellen, die mit keiner anderen dezentralen Technologie vergleichbar ist.
Die Idee hinter Vehicle-to-Grid ist denkbar einfach: Elektrofahrzeuge sollen Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch gezielt zurück ins Netz einspeisen – als Puffer für Schwankungen aus Wind und Solar, zur Entlastung von Verteilnetzen und zur Bereitstellung von Regelenergie. Vehicle-to-Home (V2H) nutzt dieselbe Technologie, um das eigene Gebäude mit Fahrzeugspeicher zu versorgen und den Eigenverbrauch von Solarstrom zu maximieren.
Was lange Zeit als technisch anspruchsvolle Zukunftsvision galt, ist inzwischen Realität: In Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien sind alle Voraussetzungen für V2G erfüllt und erste kommerzielle Angebote für Endkunden verfügbar. Deutschland hat mit der EnWG-Reform zum 1. Januar 2026 die jahrelange regulatorische Hürde der doppelten Netzentgelte für bidirektionale Ladepunkte beseitigt und schafft so die Grundlage für den Markthochlauf. Seit Februar 2026 bieten BMW und E.ON ein Komplettpaket aus Wallbox, V2G-Tarif und Smart Meter an. Mercedes-Benz führt 2026 unter dem Namen MB.CHARGE Home ein vollintegriertes bidirektionales Heimladesystem ein – beginnend mit dem elektrischen GLC und dem neuen CLA, mit The Mobility House als Partner für Wallbox und Stromtarif.
Damit rücken neue Fragen ins Zentrum: Wie skaliert man bidirektionales Laden von Einzelprojekten zu Massenangeboten? Wie erreicht man echte Interoperabilität zwischen Fahrzeugen verschiedener Hersteller und unterschiedlicher Ladeinfrastruktur? Die Normung für das bidirektionale Laden mit Wechselstrom soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Ab Januar 2027 wird ISO 15118-20 für alle neuen Ladestationen verpflichtend – der entscheidende Schritt von Smart Charging zu echter Netzintegration.
Volkswirtschaftlich ist das Potenzial erheblich: Allein durch den Einsatz von Flexibilitätsoptionen wie V2G könnten Verteilnetzbetreiber jährlich bis zu 4 Milliarden Euro einsparen. Bei weiterer Zunahme der Elektromobilität ist intelligentes Laden ohnehin obligatorisch – die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell und zu welchen Konditionen.
FAQs | 10 Fragen an die Veranstalter
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Könnten Sie uns bitte eine grundlegende Definition von Vehicle-to-Grid geben und erläutern, wie diese Technologie die Energiewirtschaft verändert?
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V2G ist besonders wertvoll, wenn die erneuerbare Erzeugung kurzfristig nicht mit der Last mithalten kann – etwa bei plötzlicher Bewölkung oder einer Windflaute. In diesen Momenten können Fahrzeugbatterien sekundengenau Regelenergie bereitstellen. Über längere Zeiträume lassen sich Überschüsse aus Sonne und Wind speichern und zu Nachfragespitzen wieder abgeben. Für Verteilnetze ist vor allem Smart Charging relevant: Fahrzeuge können ihren Verbrauch reduzieren oder verschieben, wenn das Netz am Limit ist – und damit teure Netzausbaumaßnahmen vermeiden oder verzögern.
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Die Phase der reinen Pilotprojekte liegt in mehreren Ländern hinter uns. In Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien sind kommerzielle V2G-Angebote für Endkunden verfügbar. In Frankreich bietet Renault in Kombination mit The Mobility House ein vollintegriertes Produkt, bei dem Kunden für die Bereitstellung ihrer Batteriekapazität vergütet werden. BMW und E.ON bieten seit Anfang 2026 ein Heimlösungspaket in Deutschland an. Mercedes-Benz startet 2026 mit MB.CHARGE Home den Roll-out eines vollintegrierten bidirektionalen Heimladesystems in Deutschland, Frankreich und Großbritannien – mit GLC und CLA als ersten V2G-fähigen Modellen. In Utrecht läuft seit Sommer 2025 Europas erstes großangelegtes V2G-Carsharing-Projekt mit integrierter Solareinspeisung.
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V2G und Smart Charging sind ein Glücksfall für die Energiewende: Potenziell steht mit der wachsenden Elektrofahrzeugflotte eine dezentrale Speicherkapazität zur Verfügung, die alle stationären Batteriespeicher in den Schatten stellt. Der Pfad dahin führt über Standardisierung, Skalierung und neue Geschäftsmodelle. Das langfristige Ziel führender Akteure ist die Aggregation von Hunderttausenden Fahrzeugbatterien zu virtuellen Kraftwerken. Realistisch ist, dass sich – ähnlich wie in anderen Märkten – eine differenzierte Angebotskurve entwickelt: Einige Akteure bieten große Flexibilitätsmengen zu günstigen Preisen, andere höherwertige Netzdienstleistungen zu Premiumpreisen. Insgesamt ermöglicht diese Flexibilität den massiven Ausbau erneuerbarer Energien bei gleichzeitig stabilen Netzen.
Stolpersteine bzw. beteiligte Firmen/Personen/Institutionen
Damit das bidirektionale Laden funktioniert, müssen folgende Gruppen/Firmen zusammenkommen und Verträge abschließen: Elektroauto-Besitzer, Elektroautohersteller, Hersteller von Ladeinfrastruktur, Service Provider, Stromnetzbetreiber, Gesetzgeber und Normungsgremien.
Je nach Anwendung können unterschiedliche Akteure profitieren. Außerdem muss die Steuereinheit anhängig der Anwendung an unterschiedliche Datenquellen angebunden werden.
Technische Grundlagen
Batterien mit dem Stromnetz koppeln
Laden der Elektroauto-Batterie
Elektroautos kann man direkt an eine 230V Haushaltssteckdose zum Laden anschließen. So wurde es bei den ersten Fahrzeugen sehr häufig gemacht, als es noch keine Wallboxen gab. Hierbei wird das Auto direkt mit Wechselstrom (AC) geladen. Beim Wechselstromladen ist der Gleichrichter daher im Fahrzeug eingebaut, und es ist Abhängig des Fahrzeugherstellers, wie der Gleichrichter dimensioniert ist. An einer Haushaltsteckdose kann der Gleichrichter mit maximal 2,3 kW Leistung laden. Viele Elektroautos können auch an einer Drehstromsteckdose aufladen. Dabei ist die Ladeleistung höher, meist 10 kW, oft 20 kW oder auch bis zu 40 kW (63 A pro Drehstromphase) und es muss der Gleichrichter im Auto entsprechend ausgelegt sein. Beim Anschluss an eine normale Steckdose erfolgt das Laden ungesteuert von außen. Nur der Laderegler im Auto entscheidet, ob und wieviel geladen wird.
Wenn das Laden auch von außen gesteuert werden soll, muss das Fahrzeug an eine Ladestation (Wallbox oder Ladesäule) angeschlossen werden. Das ist häufig bei höheren Leistungen und bei öffentlichen Ladestationen der Fall. Die Ladestation kann dann dem Laderegler im Auto mitteilen, wie hoch die Leistung sein soll. Sie ist beim Wechselstromladen aber nur eine Steuereinheit und kann nicht selbst den Leistungsfluss verändern.
Ladestecker
Gleichstrom-Laden
Bidirektionales Laden (V2G)
Datenverbindung über den Ladestecker ein Auslaufmodell
Bei Verwendung einer Ladestation kann diese eine Steuereinheit für das bidirektionale Laden enthalten. Bei Wechselstrom-Laden mit dem weit verbreiteten Typ 2-Stecker gibt es aber nur eine analoge Datenverbindung von der Steuereinheit in der Ladestation zum Laderegler, die zudem nur das Aufladen der Batterie steuern kann. Aus diesen Gründen ist aktuell das bidirektionale Laden mit Wechselstromladen nur sehr selten erhältlich. Beim Gleichstromladen ist die Leistungselektronik in der Ladestation. Weiterhin könnte grundsätzlich auf eine Datenverbindung zum Fahrzeug verzichtet werden, denn der Laderegler, der die Stromrichtung bestimmt, befindet sich in der Ladestation und kann dort an die Steuereinheit angeschlossen werden. Allerdings muss die Schutzelektronik im Fahrzeug über das Entladen Bescheid wissen, und der Ladezustand und Endzeitpunkt sollte auch vom Fahrzeug zur Steuereinheit übertragen werden können. Daher ist auch beim Gleichstromladen in der Praxis eine Datenverbindung in beiden Richtungen notwendig.
Eine ausreichende Datenverbindung ist allerdings nur bei dem CHAdeMO-Stecker vorhanden. Das CAN-Bus-Protokoll ist zum Entladen ins Netz erweitert worden und erlaubt auch eine Datenverbindung vom Fahrzeug zur Ladestation.
Hingegen nutzt der CCS-Stecker dieselbe Datenkommunikation, wie der Wechselstrom-Stecker Typ 2 und ist daher für bidirektionales Laden nicht ohne weiteres geeignet. In Zukunft wird auch das CCS-System in Verbindung mit der ISO 15118 die Möglichkeit des Rückspeisens bieten.
Heute jedoch ist bidirektionales Laden im Wesentlichen nur mit dem CHAdeMO-Stecker möglich. Es gibt bereits in Europa erste E-Fahrzeuge, die ins Netz zurückspeisen können.
Drahtlose Datenverbindung gehört die Zukunft
Normung
Eigene Nutzung: E-Auto als Heimspeicher (V2H)
Geschäftsmodelle
Wenn Netzbetreiber, Stromhändler oder Betreiber von virtuellen Kraftwerken die Speicherkapazität des Elektroautos nutzen wollen, muss der Nutzen für die Eigentümer deutlich werden. Geschäftsmodelle müssen eine angemessene Vergütung für die Leistung berücksichtigen. Ebenso muss den Fahrzeugbesitzern eine Mindestmenge an Energie und gegebenenfalls die volle Ladung zu einem vorgegebenen Zeitpunkt garantiert werden. Dies muss in den jeweiligen Geschäftsmodellen berücksichtigt werden.
Die meisten Anwendungen können dann nur umgesetzt werden, wenn viele solche Fahrzeugspeicher gemeinsam als sogenannte Schwarmspeicher gesteuert werden. Eine entsprechend zuverlässige Datenverbindung von einer zentralen Steuereinheit ist daher in den meisten Fällen notwendig.
Zu berücksichtigen ist, dass in einem solchen Schwarm nicht immer alle Fahrzeuge am Stromnetz angeschlossen sind. Hier ist mit statistischen Wahrscheinlichkeiten zu arbeiten. Insbesondere die Nutzung von Fahrzeugflotten der Betreiber kann in dem Zusammenhang interessant sein, da die Nutzungszeiten wesentlich besser bekannt und vorhersagbar sind.
Regelenergie
Elektroautos können in großer Anzahl in Zukunft zur Regelung und Stabilisierung des Stromnetzes verwendet werden. Da sie in Zukunft in großer Zahl existieren, wäre das der größte Nutzen für das Stromnetz. Die Laderegler könnten also die Momentanreserve ergänzen, welche bei Lastschwankungen im allerersten Moment wirksam wird und die Netzfrequenz stabilisiert. Derzeit wird das noch durch große rotierende Massen von Generatoren in Großkraftwerken geleistet. In Zukunft muss diese Funktion von Geräten mit Leistungselektronik übernommen werden.
Ein Betreiber eines Virtuellen Kraftwerks könnte als Aggregator einen Schwarmspeicher mit Elektrofahrzeugen bilden und die Leistung am Regelenergiemarkt verkaufen.
Insbesondere Primärregelung ist attraktiv für die Nutzung mit Batterien. Die abgerufene Leistung ist proportional zur Abweichung der Netzfrequenz vom Sollwert. Sie weicht aber nur selten gravierend ab, sodass meistens wenig, bis gar keine Leistung geliefert werden muss. Weiterhin ist der Markt für Primärregelung so attraktiv, dass man dort mit Batterien heute schon Profit erwirtschaften kann.